An der Ampel Lyrik. Kartoffeln. Der Tag der unverhofften Freundlichkeit. Notizen vom 11. April 2017.

Das Viertel ist leer. Vereinzelt kreuzen Passanten zu Fuß oder auf dem Rad. Freie Parkplätze vor dem Haus. Es sind Ferien.

Mancher scheint die Zeit für den Frühjahrsputz zu nutzen. Alles, was nach Bestimmt kann das noch jemand gebrauchen aussieht, findet sich auf Bänken und Stromkästen. Innerlich setze ich mich auf meine Hände. Ich widerstehe!

An der Ecke ein Mann mit Brille. Er raucht und mustert mich prüfend. Ihn scheint zu verstören, dass ich immer mal wieder fotografierend stehenbleibe. Vielleicht wittert er üble Verbrechen.

An der Ampel hängt Lyrik. So ist das ohne dich. Am Rhein wehen matt im schwachen Wind Fähnchen.

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Ein Mann sitzt am Ufer des Rheins. Er trägt einen auffällig gemusterten Schlips zum schwarzen Anzug. Sein Haar ist etwas wirr, es sieht flauschig aus. Sein Blick wirkt traurig. Wartet er? Und wenn ja, worauf? Er blickt dem Strom hinterher, der sich gemächlich zur Nordsee wälzt.

Die Bäume blühen um ihr Leben.

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Staunen über die Welt. Leben und Tod. Sommerzeit. Notizen vom 28. März 2017.

Zack, grün! Wie macht die Natur das nur? Binnen weniger Tage schimmern Bäume grün, Löwenzähne und anderes Getier springt aus der Erde und der Frühling ist nicht länger eine Mär. Dem Gras kann man in der Tat beim Wachsen zusehen.

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Noch sieht es anders aus, sobald man sich ein wenig aus der Kölner Bucht ins Bergische begibt. Am Sonntag wanderten wir durch Wälder und Felder, die noch ganz plattgedrückt vom Winter waren. Aber auch in den höher gelegenen Gegenden riecht man den Frühling.

Die Winterjacke braucht’s immerhin nicht mehr.

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Keine besonderen Vorkommnisse. Notizen vom 16. März 2017.

Keine besonderen Vorkommnisse. Was für ein Luxus liegt doch in diesen drei Worten.

Der Dom steht. Der Rhein fließt. Am Anleger emsige Geschäftigkeit. Auf der Hundewiese findet heute offenbar auf dem Weg neben der Hundewiese statt. Oder doch nicht? Der Bobtail sieht mich fragend an.

Ein Tag, der mich mühsam nach Sprache tasten lässt, ist ein Tag für Rose Ausländer:

Ich habe mich
in mich verwandelt
von Augenblick zu Augenblick

in Stücke zersplittert
auf dem Wortweg

Mutter Sprache
setzt mich zusammen

Menschmosaik

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Die Aufgabe in der #30DaysMusicChallenge lautet heute A song that makes you think about life. Auf solch ernsthaften Fragen fällt mir nur Unsinn für die #plattensammlung ein, während mir zu Unsinn oft viel Ernsthaftes einfällt. Überdies habe ich wohl kaum jemandem mehr über das Leben gelernt als von den Muppets. Rama lama ding dong!

Was nach dem Song backstage geschah:

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„Warum machen Sie das? Lassen Sie das.“

Wir saßen auf dem Sofa in meinem ehemaligen Büro, das ich damals noch zu brauchen glaubte. Ebenfalls glaubte ich, ein Coaching zu brauchen. Es muss etwa 2011 gewesen sein, ungefähr ein Jahr lang war ich selbstständig. Es gab manches, mit dem ich nicht so ganz glücklich war, ohne es näher benennen zu können. Ein Coaching schien mir sinnvoll.

Ich erzählte meiner Coachin von dieser seltsamen Situation in Workshops und Vorträgen: Ich sprach und formulierte mein Anliegen. Währenddessen quatschte in meinem Kopf eine kritische Stimme mit und kommentierte jeden einzelnen Satz, jede Geste mit: Haha, das klang jetzt aber komisch! Hat sie das nicht eben schon mal erzählt? Puahaha, das geht aber besser, oder? Guck’ mal, wie sie da steht, wie albern! Huch, nun hat sie sich versprochen. Habe ich nicht gerade schon gesagt, dass sie sich versprechen wird?

Die Coachin hörte sich das in aller Ruhe an. Und während ich sprach, möpperte diese Stimme in meinem Kopf auch schon los. Dann sagte Frau Büsing einfach nur: „Warum machen Sie das? Lassen Sie das.“ 

Ich ließ es. Die Stimme war weg. Manchmal plärrt sie wieder los. Manchmal stelle ich erst im Nachhinein fest, dass ich es doch einfach lassen sollte. Und dann lasse ich es.

Eine Lektion vom Zen-Meister Pferd

Mein Weg zur Arbeit im Heimbüro führt mich heute über den Stall. Gehe ich zu den Pferden, zeigen sie mir, wie es mir geht. Das liegt weniger an ihrem nur walnussgroßen Gehirn: Pferde denken und fühlen mit dem ganzen Körper. Eine Situation und die Absichten anderer Lebewesen einschätzen zu können, das kann für ein Fluchttier, das ursprünglich in weiter Steppe beheimatet war, durchaus lebenserhaltend sein.

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Bin ich verärgert, abgehetzt, zerstreut oder zugewandt und entspannt?

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Sperrmüll des Lebens, Drachen und Lenz. Notizen vom 13. März 2017.

Im Viertel ist Sperrmülltag. An den Straßenrändern türmen sich die Installationen von aussortiertem Leben. Ein Festtag, um sich gepflegtem Voyeurismus hinzugeben. Es gibt diese raren Momente, in denen man unbehelligt und weitestgehend ohne Schuldgefühle die Lebensspuren anderer betrachten kann: An der Kasse im Supermarkt, wenn die Einkäufe der Mitwartenden ihre Geschichten erzählen. Im Wartezimmer beim Arzt. In diesem Internet. Bei Umzügen, wenn das Lebenszubehör aus dem Umzugswagen auf die Straße wandert und auf die neue Heimat wartet. Am Sperrmülltag.

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Gestatten: Promenadologin. Notizen vom 7. März 2017.

Das ist doch kein Wetter! Es ist wirklich kein Wetter: Der Himmel konturenlos hellgrau. Irgendwelche Temperaturen. Irgendwas kurz vor Regen.

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Als geübte Promenadologin zucke ich mit den Schultern. Das Wetter ficht mich nicht an. Zumal ich (nicht nur) mit meinem Weg zur Arbeit im Heimbüro der Disziplin der Spaziergangswissenschaft fröne. Diese Erkenntnis kam mir erst gestern, als ich über diesen Tweet von @katjaberlin fiel:

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Vor Jahren las ich mal was von dieser Wissenschaft des Spazierengehens, ging dem aber nie nach. Nun stieß ich auf einen Blogbeitrag und von dort auf diesen Artikel in Deutschen Architektenblatt: Unterwegs mit Erkenntnisgewinn.

Die Promenadologie wird im Graubereich zwischen Kunst und Empirie verortet und erforscht das eigene Vor-Ort-Sein beim Erkunden des Raumes und die daraus gewonnenen Erkenntnisse. Ich finde mich wieder, denn ein Großteil meiner Arbeit und meines Seins gründet in diesem Denken und Tun.

Faszinierend.

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In mir viel Lärm. Und die Liebe? Notizen vom 6. März 2017.

Nach all den Handlungsreisen tauche ich verdutzt prustend im März wieder auf - und begebe mich auf den Weg zur Arbeit in meinem Heimbüro. Mit einem Jauchzer, denn ich habe diese Morgenrunden vermisst. Unversehens finde ich mich in einer anderen Jahreszeit wieder. Die Vögel zwitschern entschlossen. Es ist hell (nun ja, dem Wetter entsprechend hell) und recht mild. Ringsum nimmt Mutter Natur Anlauf, um beim nächsten Sonnenstrahl die Welt in Grün zu färben. Deshalb ist es gut, dass es regnet: Zellteilung braucht Nahrung.

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Überall findet man Spuren von Frühling. Die Luft riecht nach Wachsen und Werden. Herr und Frau Amsel kreuzen pickend meinen Weg. Die Menschen tragen zumeist Schirm; knallbunte Kleckse im braungrauschwarzblauen Wintereinerlei.

In mir viel Lärm. Gedanken tanzen Ringelreihen und Pogo.

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Brot und Kuchen

„Gerne nach Hause zu kommen - das ist ein großes Geschenk.“ Unsere Blicke trafen sich und wir lächelten einander zu. Dabei wollte ich nur rasch ein Brot kaufen. Ich war auf dem Rückweg vom Stall. Und auch wenn diese Bäckerei auf dem Weg liegt, kaufte ich bisher dort selten etwas. Man hat ja so seine Stammbäckereien. Heute aber kam es mir gut zupass.

Ich trug also mein Sätzlein vor, dass ich der Bäckersfrau gern ein Brot abkaufen möchte. Sie musterte mich kurz und schlug mir ein Roggenbrot vor. Lieber das mit der dicken Kruste oder eins, dass herzhaft vom Geschmack her ist? Herzhaft, wunderbar.

Ob es noch etwas sein dürfe?

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Die Rad-Chroniken, Teil 2: Himmel und Hölle

„Die Hölle, das sind die anderen.“ Als mich bei einer meiner ersten Ausfahrten mit dem Rennrad ein junger Mann aus dem fahrenden Auto heraus anbrüllte, kam mir dieses Zitat von Sartre in den Sinn.

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Die Straße ist Kriegsgebiet. Sehr unterschiedliche Interessen stoßen hier aufeinander und nicht wenige Teilnehmer fühlen sich über Regeln erhaben.

Ich erlebe Straßenverkehr aus vier Blickwinkeln: Als Fußgängerin, als Radfahrerin, als Reiterin und als Autofahrerin. Mitunter bin ich auch Mitreisende in einem öffentlichen Verkehrsmittel wie Bus oder Bahn. Dass sich die Perspektive erheblich zu eigenen Gunsten verschiebt, egal, wie man sich im Straßenverkehr bewegt, ist so entlarvend wie amüsant.

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Alles andere als heiter. Notizen vom 20. Februar 2017.

Nach zwei Wochen auf Handlungsreisen hätte heute wieder ein Weg zur Arbeit im Heimbüro angestanden. Hätte ich mir nicht eine fette Erkältung eingehandelt, die der Auskurierung bedarf. Übellaunig bin ich mit mir, meiner Scheffin, übereingekommen, dass dieser Tag noch ganz dem Gesundwerden gehören muss.

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Selbstfürsorge. Ich weigere mich, damit erst zu beginnen, wenn eine wirklich schlimme Krankheit oder ein Zusammenbruch aus Erschöpfung mich dazu zwingt. Es gibt diesen seltsamen Mechanismus in unserer Leistungsgesellschaft, dass erst ein solcher Anlass als Entschuldigung gilt, sich nicht komplett zu verausgaben. Da mache ich nicht mit. (Und das muss ich mir selbst als Mantra immer wieder vorbeten. Oder der Mann tut’s für mich.)

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Wachsen, Atmen, Blicken. Notizen vom 7. Februar 2017.

Ich habe meinen Weg zur Arbeit im Heimbüro vermisst. Er bleibt rar, denn ich reise viel in diesen Wochen. Morgen geht’s ins Sauerland und übermorgen nach Nordostwestfalen. Aber heute führt mich mein Weg schnurstracks zum Rhein. Ich atme tief aus.

Dinge blühen. Der Dom steht noch.

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Vater Rhein führt wieder mehr Wasser. Die Schiffe fahren zweireihig. Auf der Rheinpromenade parkt ein Bus. Andere Städte haben eine Rheinpromenade zum Flanieren, Sitzen und Einkehren. Köln hat einen Busparkplatz.

Keine Eichhornsichtung. Aber - ha! - ein Dackel. Er sitzt brav neben seinem Herrchen an der Ampel. Herrchen kramt einen Hundekeks aus der Tasche. Des Dackels Ohren segeln im Wind. Vorsichtig nimmt er den Keks und kaut ihn bedächtig.

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Podkölsch: Neuer Podcast-Stammtisch in Köln

Ich tu’s und rufe ein Datum aus für einen neuen Stammtisch für Menschen, die selbst podcasten oder sich für Podcasts interessieren. Geplant sind 3-4 Treffen im Jahr.

In Anlehnung an den Podäppler in Frankfurt gibt’s auch schon einen Namen bzw. Hashtag: #Podkölsch.

Mittwoch, der 8. März 2017 um 20 Uhr

Wir dürfen uns im Buchladen Nippes treffen (Danke, Dorothee!). Da müssen wir uns nicht gegenseitig anschreien, um uns zu verstehen, und haben genügend Platz. Für Getränke und Schnuckkram sorge ich. Am Abend gibt’s dann eine Dose, wo jeder das für die Unkosten reintun kann, was er beisteuern möchte und kann. Wenn was übrigbleibt, fließt das in den Topf für den nächsten Stammtisch. 

Um Anmeldung bitte ich per Tweet mit Hashtag  #podkölsch oder per Mail: werkstatt@sinnundverstand.net.
(Gebt dabei doch bitte auch durch, ob Ihr tendentiell eher Bier, Wein, Wasser oder was anderes trinken möchtet.)

Ich sende dann ein paar Tage vorher eine Anfahrtbeschreibung herum und gebe durch, wie Ihr in den Laden kommt. Denn der ist ja dann geschlossen.

Zum Ablauf: Gut fände ich es, wenn wir immer auch zwei, drei Podcast-Projekte oder Fragen zum Podcasten voranstellten. Aber die erste Runde ist ganz dem Kennenlernen und Zusammenfinden gewidmet. Das wird dann vielleicht eher wie ein Minibarcamp. Oder wir betrinken uns einfach.

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(Das Foto entstand in der Ausstellung #DerfremdeRaum im Marta Herford.)

Armselige Gestalten, leuchtendgrüner Kitsch und Frollein Ungestüm. Notizen vom 1. Februar 2017.

Meine Wege zur Arbeit waren in der letzten Woche ganz andere. Sie führten mich nach Herford zum Marta, zum Zukunftsforum Ländliche Entwicklung und auf die Grüne Woche in Berlin und in die Stadtbibliothek Leverkusen, wo die nächste Workshoprunde im Rahmen der #BibReise begann. Zwischendrin plagte mich ein Infekt, der unterschwellig ablief und mich schlicht umhaute. Schlafkrankheit, vermutlich.

Was hilft? Pferde, natürlich! Mir muss es schon verdammt dreckig gehen, um nicht in den Stall zu gehen. Und meistens geht es mir dann auch schon gleich besser. Gerade wenn die Seele aus dem Lot ist - und welche ist das nicht, bei all den verstörenden Nachrichten dieser Tage. Ob Erdoğan, Assad oder Trump und seine schlimmen Schergen: Denen fällt erstaunlich viel ein, wie sie anderen Leuten das Leben madig oder gar zur Hölle machen können. Dabei scheinen sie sich erstaunlich toll zu fühlen. Armselige Gestalten. Weg mit ihnen, aus meinem Kopf, zumindest für eine Weile!

Mein Weg heute ins Heimbüro führt mich also über den Stall und zu Frollein Streifenohr. Sie macht mir dieser Tage viel Freude.

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Frollein Ungestüm ist eine sehr wache, bewegungsfreudige und eigensinnige Stute. Nähert man sich ihr, reagiert sie zunächst sehr reserviert.

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Harry und die Vögel. Hüpfkästchen. Notizen vom 23. Januar 2017.

Husch, husch, eine flotter Weg zur Arbeit im Heimbüro! Denn ebendieses werde ich nun für einige Tage verlassen. Heute reise ich mit den Herbergsmüttern zum Neujahrsempfang des Marta Herford. Und morgen geht’s weiter nach Berlin zum Zukunftsforum Ländliche Entwicklung. Meine Wege zur Arbeit werden also in den nächsten Tagen etwas andere sein. Ob ich zum Bloggen komme? Wohl eher nicht. Ich reise ohnehin mit kleinem Besteck und beschränke mich auf den Taschenapfel.

Mit vielen Gedanken an die kommenden Tagen verlasse ich also am Morgen das Haus. Nach einem strahlend schönen Tag im Eifelschnee bei blauem Himmel kommt mir Köln heute besonders grau vor. Nun, es ist grau: Himmel, Häuser, Straßen, Rhein.

Doch da, rosa Hüpfkästchen!

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Die grünen Übergangstannenschonungen an den Straßenrändern sind weg, die Ex-Christbäume abholt und vermutlich längst verbrannt.

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