Ein Tag im Mai #12von12

Vor einem Monat war mein erstes Mal: Ich dokumentierte den 12. eines Monats in zwölf Bildern und wurde Teil der Alltagsdokumentation #12von12. Und schrieb darüber auch noch was in meinem Digitalbüro drüben.

Der Tag gestern begann mit einer Besorgungstour, die mich von der Agneskirche (Frau Agnes, die schöne Frau Agnes) am Rhein entlang ins südlichere Köln führte. Es war auch gleich viel wärmer. *schwitz*

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Meine Zieldestination war in der Rheingasse, wo man übrigens das Overstolzenhaus bestaunen kann, das älteste erhaltene Patrizierhaus Deutschlands. Es beherbergt übrigens die Kunsthochschule für Medien. 

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Herzlichen Glückwunsch

“Wir können jetzt auch langsam mal über Deinen Geburtstag sprechen!” klang es entzückt aus dem Telefonhörer. Meine Mutter sieht ein Fest für die ganze Familie in Reichweite, und das macht sie glücklich. Ich erstarre und merke, wie meine Nackenmuskulatur zu Beton wird. Geburtstag, o Graus! Wann begann das eigentlich, dass ich Geburtstagfeiern nicht mehr mochte?

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Nein.

Nein. Mitunter hülfe es. Es will nicht recht über die Lippen? Nun, alle mal laut mitsprechen …

Keineswegs.

Mitnichten.

Nimmermehr. 

Njet.

Nicht um alles in der Welt. 

Nope.

Niemals. 

Never ever.

Nö.

Na-heiiin!

Neinneinnein.

Nä.

Unmöglich.

Nie. 

Nie und nimmer.

<Kopfschütteln>

Ausgeschlossen.

Sicher nicht. 

Nee.

Auf keinen Fall. 

Weit gefehlt. 

Nie im Leben!

<flöt> Gewiss nicht! </flöt>

Nein! Doch! Oooh!

Und in der nächsten Folge üben wir dann das Ja. 

Krieg und Frieden. Ungeordnetes.

Der größte Kollateralschaden ist das Misstrauen: Hannes geht es offenbar ganz ähnlich wie mir. Ich lese dieser Tage viel über Kriege und Konflikte. Und ich lese, wie bestimmt sich manche Menschen äußern - als sei doch alles klar und eindeutig, als gäbe es nur Schwarz und Weiß. Vermeintliche Experten beschimpfen einander auf das Übelste und man fragt sich, ob sich auch nur einer davon mal selbst zuhört. Mir wird schlecht, wenn ich die bösartigen Verallgemeinerungen lese. Niemandem wird damit geholfen, dessen Leben von Krieg und Leid bedroht ist.

Durch Social Media und insbesondere durch Twitter ist es manchmal so, als sei man direkt mit vor Ort. Ohnmächtig. Hilflos. Wohlwissend, dass man selbst durch einen Klick wieder raus ist.      

Der Krieg und meine Familie 
Krieg und Gewalt - ich werde sie niemals begreifen.

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Über Mut. #mutmachparade

Hannes hatte wieder eine sehr schöne Idee für eine Blogparade. Nach seiner Meerparade rief er nun zur Mutmachparade. Wie immer versuche ich bei solchen Blogparaden, vorm Schreiben des eigenen Beitrags möglichst wenige der anderen zu lesen. Denn irgendwann vergisst man, was man denn eigentlich schreiben wollte. Oder das Gefühl beschleicht einen, man habe selbst ja doch nur banales Zeugs zu erzählen. Und verliert den Mut …

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Jeden Tag dasselbe.

Da stehen wieder Menschen mit Plakaten und Tröten und versuchen, Aufmerksamkeit zu erregen für ihre tollen Produkte. Nicht weit weg sitzt in einem Kaffeehaus eine Horde albern kichernder Menschen beisammen. Sie zeigen einander Bilder aus ihrem Alltag, erfinden Ideen für eine bessere Welt und schmieden Pläne für ‪#‎weltherrschaft‬ und‪#‎geheimprojekte‬. Ab und zu kommt jemand vorbei, setzt sich dazu, bleibt oder geht.

Hum-ta-ta! Eine Blaskapelle zieht vorbei, die Horde singt kurz mit und kramt alte Lagerfeuerlieder hervor.

Hinten im Hof balgen sich die Schmuddelkinder, werfen mit Unrat um sich und skandieren wüste Parolen.

Die Menschen mit den Plakaten gucken sauertöpfisch und tröten. Und tröten. Legen Flugblätter auf die Tische im Kaffeehaus, die von den Besuchern dort achtlos beiseite gewischt werden.

Die Horde kichert. Da, ein Dackel im Mikrofaseranzug! Jemand nimmt ihn auf den Arm, weil er etwas erschöpft guckt, und steckt ihm einen Wurstzipfel zu.

Social Media. Jeden Tag dasselbe.

Als ich eines Abends im Bad stand und mir eine Kontaktlinse davonflitschte.

Harte Kontaktlinsen können heimtückische Flitschdinger sein. Ich spazierwanderte einst an einem sonnigen Tag im Hohen Venn. Dort führen teilweise Holzstege übers Moor. Links und rechts des Stegs gluckste und moorte es. Es muss an einem Wochentag gewesen sein, denn Kampfjets spielten im Tiefflug munter Haschmich. Ich wollte meine Augen beschirmen, um das Schauspiel andächtig zu würdigen. Dabei stieß ich gegen ein Auge, und die Kontaktlinse stürzte sich in die Tiefe. 

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Und ewig singen die Wälder: Heimat!

Heimat. Das Wort an sich hat es schon an sich, dass man beim Aussprechen einen weichen Gesichtsausdruck bekommt. Heimat. Das hat etwas Sehnsuchtsvolles. Heimathafen. Heimatfilm. Heimatmuseum. Wahlheimat. 

Die Blogparade von Katja Wenk hat richtig eingeschlagen: fast sechzig Beiträge gibt es schon. 

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Ein Findelkraken möchte heim

Am Donnerstagabend ging ich von einem Spaziergang am Rhein zurück ins Agnesviertel. An der Kreuzung Riehler Straße / Sedanstraße lag etwas Gestreiftes vor der Ampel: ein kleiner Kraken. Offenbar wurde er aus einem Kinderwagen herauskatapultiert, oder er büxte aus welchen Gründen auch immer aus. Er selbst kann sich leider nicht erinnern. 

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Das bittere Ende meiner Tagebücher

Bei Steffi Leo las ich heute morgen über den Tag des Tagebuchs und ihre eigenen Tagebücher. Erinnerungen ploppten hoch. Eher unangenehme. An Tagebüchern habe ich mir immer die Zähne ausgebissen. Ich bekam oftmals welche geschenkt. Immerhin schrieb das Kind gern (in der Schule, wohlgemerkt!) und irgendwie schien es eine Selbstverständlichkeit zu sein, dass Mädchen Tagebuch führten. Ich habe nie erlebt, dass mein Bruder oder auch ein  Junge in meinem Alter ein Tagebuch bekam. Geschweige denn, eins wollte. 

Da saß ich dann vor einem dieser Tagebücher.

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Im Nachtleben zu Gast.

Ich habe in den Mai getanzt. Also, so gut wie. Nur ohne Tanzen. Und zum ersten Mal nach ungefähr 340 Jahren machte ich einen Ausflug ins Kölner Nachtleben. Nicht dass ich sonst nur in der Stube hocken würde. Ich war im Nachtleben sogar mal ganz gut. Times They Are a-Changin’. Die Abende in der Lieblingswohnzimmerkneipe, in der mich der Wirt mit Handschlag begrüßt, oder Absacker in Lieblingsbars in der näheren Nachbarschaft fallen eher nicht in die Kategorie Nachtleben, denke ich.

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Wenn der Abend auch dort begann. In der knallvollen Lieblingswohnzimmerkneipe. Gemütliche Gespräche. Plötzlich: „Austrinken! Wir fahren jetzt in diesen Klub, wo Karl-Heinz heute auflegt! Kann sein, dass er auch einfach nur dort ist, egal! Los!“

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Die Sache mit dem Fernsehen

Zu meiner Kindheit gehört Fernsehen unbedingt dazu. Ich bin ein Kind der 70er und 80er. Sendungen wie Biene Maja, Wickie, Luzie der Schrecken der Straße, Die Märchenbraut, Muppet Show, Fraggles, Mantel- und Degen-Filme, Gene Kelly, Monty Pythons, Die dreibeinigen Herrscher, Das Haus am Eaton Place, Falcon Crest, Remington Steele, Der Doktor und das liebe Vieh oder später dann Twin Peaks gehörten zum Alltag und prägten mich teilweise sehr stark. Die Muppets und Monty Pythons sind irgendwann in dieser Zeit in meinem Kopf eingezogen und quatschen unentwegt und immer mit. 

Fernsehen mit der Familie
Am Anfang stand ein Schwarz-Weiß-Fernseher, noch ohne Fernbedienung. Dann folgte ein Farb-TV und, sehr früh sogar, ein Videorekorder. Manche Filme habe ich mir so oft angesehen, dass ich sie immer noch auswendig mitsprechen kann. Wir lebten auf dem Land. Dorf. Sauerland. Es gab keinen Förderwahn. Man ließ uns nach der Schule in Ruhe Dinge tun. Ich rutschte entweder auf Pferderücken herum, machte irgendwas draußen, las, malte - oder sah fern.

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Es müsste immer Musik da sein. Über die #plattensammlung

Gerade eben habe ich den ersten Song in diesem Jahr in die #plattensammlung* gelegt: “Apple Carts” von Damon Albarn. Ein Lieblingsstück von dem Album “Dr Dee”, das 2012 veröffentlicht wurde. Eine Art Oper über das Leben eines englischen Mathematikers des 16. Jahrhunderts

Drei Dinge gingen mir beim Hören durch den Kopf:

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Ein Moment der Rührseligkeit

Rührseligkeit. Dieses Wort lese ich nur mehr sehr selten. Ich denke es auch selten. Es erfüllt mich eher mit Unbehagen. Es gemahnt mich an gewisse Heimatfilme der 50er (“Sissi!” - “Oh, Franzl!” *umdenhalsfall*), an Streicherschmalz, der erklingt, wenn Menschen in Filmen verliebt wirken sollen, oder getragener Klavierkitsch, als Signal für den Zuschauer von Dokumentationen oder Einspielern in “TV-Ereignissen”, nun doch bitte zu den Taschentüchern oder zum Spenden-Überweisungsträger zu greifen. 

Was meint der Duden denn dazu? Synomyme für ‘Rührseligkeit’: 

Sonderlich positiv besetzt ist dieser Begriff wahrlich nicht. Und so wenig beliebt, dass sich die Rührseligkeit nicht mal auf der Wortweide findet. Nur das kleine ’rührselig’ duckt sich scheu hinter dem 'Rührstück’ und dem 'Hospitalismus’, gleich neben der 'Selbstaufgabe’. 

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Rührseligkeit, Rührung, Seligkeit … Ich erwische mich bei einem Moment der Rührseligkeit. Man kann es vielleicht auch Jahresendrührseligkeit nennen, die mir für einen kleinen Moment das Herz zusammenzieht.

Leise flüstere ich: “Danke, liebes Leben.”

Es ist mir ein bißchen peinlich. 

Schluß mit dem Herumpiepsen!

Brüchige oder piepsige Mädchenstimme. Hauptsache leise. Hochgezogene Schultern. X-Beine. Irgendwie lange Haare.

Liebe junge Frauen! Könnt Ihr bitte mal aufhören, die schlechten Vorbilder aus irgendwelchen Topmodel-Sendungen nachzumachen? Herrje! Stellt Euch mal gerade hin, sprecht aus dem Bauch heraus (nein, der wird jetzt nicht eingezogen!), Schultern runter und besorgt Euch ein paar Stahlkappen-Stiefel mit dicker Profilsohle. Mit denen kann man sich gar nicht x-beinig in Ecken herumdrücken.

Und zieht Euch was Warmes an.